4.1.4.2 Otto Scrinzi lässt grüßen
Der eigentliche Beweggrund für das sinnlose Brimborium liegt klar auf der Hand: Schlauerweise war Stelzer natürlich bestrebt, in sein Vorlesungskonzept möglichst viele in Wirklichkeit völlig sachfremde Texte einzubauen, damit es nicht gar so sehr auffallen konnte, wenn dann im passenden Moment plötzlich auch noch der (sonst ja gänzlich unerklärbare) Name Otto Scrinzi fiel. Die Wahrheit ist, dass Stelzer sich bereits während der beiden Semester des Vorbereitungsjahres – aufgrund welcher (richtigen oder falschen) Kriterien immer – von jedem einzelnen Kursteilnehmer ein für sich selbst subjektiv klares Bild gemacht hatte, welches für die Auswahl sämtlicher Prüfungsaufgaben sowohl im mündlichen Fach „Lateinische Paläographie“ (Aufnahmsprüfung mit Stipendienvergabe) als auch im schriftlichen Fach „Lateinische Paläographie und Editionstechnik“ (Staatsprüfung mit Zeugnis) allein verantwortlich gewesen ist. Jede weitere (echte) „Lehre“ war seiner verschobenen Psyche dann gänzlich irrelevant.
Aber es stellt sich tatsächlich die berechtigte Frage: Warum überhaupt sollte der betreffende „Lehrende“ eigentlich bestrebt sein, durch entsprechende Übungsaufgaben mit einschlägigen lateinischen Texten unter den Teilnehmern ein einigermaßen einheitliches Niveau an paläographischen und editorischen Kenntnissen zu erzeugen, wenn selbiges doch für die abschließende Staatsprüfung von keiner auch nur irgendwie gearteten Relevanz ist? Also sollten die Leute nach ihren jeweiligen Lesefähigkeiten, auf die hin Stelzer sie im „Vorbereitungsjahr“ abgeklopft hatte, durch den weiteren „Kurs“ geschleust werden und danach nie mehr vergessen, dass Otto Scrinzi kein grauslicher Rechtsextremist, sondern ein zärtlicher Arzt ist. Und das Problem derjenigen Kursteilnehmer, die Stelzer und den Rest des Instituts nicht so lange ertragen hatten, hatte sich ja schon von selbst gelöst.