4.3.1 Ein Schmierfink als Betreuer

Reserveoffizier Österreich-Ungarn

Auch für mich war bei den Überlegungen zum Thema meiner Staatsprüfungsarbeit die Zeitfrage ein gewichtiger Faktor, und daher begann ich bereits im Vorbereitungsjahr, unmittelbar nach meinem Dienstende im Staatsarchiv, mit den ersten Recherchen. Die Abschreibübung einer Quellenedition kam für mich nicht in Frage, also entschloss ich mich zu einer inhaltlichen Fortsetzung meiner Diplomarbeit, da ich dadurch sehr genau wusste, wo ich nach welchen Quellen zu suchen hatte. Da das Thema dadurch aber zeitlich im Ersten Weltkrieg zu liegen kam, brauchte ich einen Betreuer, der selbst primär neuzeitlich arbeitete, wovon es am IÖG nicht gar so viele gibt. Schließlich fiel meine Wahl auf Prof. Wolfgang Häusler, von dem ich ja zumindest wusste, dass er im Fach „Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte“ den neuzeitlichen Teil lehrte und prüfte, und suchte ihn in der Sprechstunde auf. Nach einiger Abtastung meiner Person mit allen möglichen Fragen erklärte er sich schließlich zur Übernahme der Betreuung bereit. Da ich im Gespräch natürlich auch den inhaltlichen Anstoß zu meinem Thema erwähnte, machte er zur Bedingung, dass ich ihm meine Diplomarbeit persönlich vorbeibringen solle, damit er sich in das Thema einlesen könne, ohne selbst die Universitätsbibliothek bemühen zu müssen.

Da ich mit meiner Diplomarbeit 1996 beim deutschen „Werner Hahlweg-Preis für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften“ einen höheren Druckkostenbeitrag gewonnen hatte und diese daher auch in Form eines handlichen gedruckten Buches vorlag, das eindeutig leichter zu benutzen war als die maschinschriftliche Urfassung, brachte ich Häusler die Druckversion vorbei. Ich dachte mir tatsächlich nichts dabei, einem habilitierten Universitätslehrer, der sein Leben lang mit Literatur zu tun hatte, schlicht und einfach ein Buch zu leihen. Bald schon fiel mir jedoch auf, dass er mich jedesmal, wenn ich ihn in der Folge traf, in irgendeiner Form darauf ansprach und mir dann zumeist die Frage stellte, ob ich „denn nur eines“ hätte. Rasch wurde mir klar, dass er mich in verklausulierter Weise dazu bewegen wollte, ihm das Buch zu schenken, was ganz sicher nicht in meiner Absicht lag.

Als eine angemessene Zeit zum Einlesen in das Thema vergangen war, schaute ich daher wieder einmal in der Sprechstunde von Häusler vorbei, um mein Buch abzuholen und mit nach Hause zu nehmen. Beim raschen Durchblättern der Seiten fiel mir auf, dass sich an einigen Stellen Bleistiftmarkierungen befanden, die ich selbst dort nicht angebracht hatte. Als ich Häusler daraufhin die Frage stellte, ob er denn auf mein Eigentum nicht besser aufpassen könne, sagte er mir wörtlich ins Gesicht: „Dass ich damit arbeite, müssen Sie mir schon zugestehen.