4.4 Auslandsexkursionen

Im Rahmen des Kurses wurden zwei einwöchige Exkursionen abgehalten, eine im Herbst 1999 unter der Leitung Wolframs nach Norditalien, die andere im Herbst 2000 unter der Anführung Maleczeks (der im Zweitfach Romanist war) nach Frankreich. Obwohl die mit der Eisenbahn im Schlafwagen angetretene Frankreich-Exkursion wirklich viel „Wissenschaftliches“ enthielt – allein Paris ist mehr als reich an entsprechenden Institutionen –, ist meine Erinnerung an diese eine Woche doch irgendwie recht blass und eher dünn – bei Maleczek war jeglicher Stoff zwar übersichtlich strukturiert, aber außerhalb eines Hörsaales wirkte er des öfteren doch recht trocken.

Nicht so bei Wolfram, der es auch auf der im Autobus vollzogenen Italien-Exkursion mit dem Mikrophon des Reiseleiters in der Hand schaffte, aus den karolingischen Heerzügen gegen die Langobarden moderne NATO-Strategien abzuleiten. Bereits auf der Hinfahrt lag Wolfram immer wieder im leichten verbalen Clinch mit dem damals ebenfalls mitreisenden Prof. Karl Vocelka, der, dem die Zunge lösenden Alkohol nicht völlig abgeneigt, bei jeder Gelegenheit ihm nicht genehme Regierungskoalitionen verteufelnd an die Wand malte: „I scheiß mi aun, daunn wird aum End no da Höbelt Wissenschoftsminister!“ Wurde die Radiomusik im Hintergrund einmal vom Wetterbericht unterbrochen, der blauen Himmel und Sonnenschein versprach, dann entrutschte Wolfram vielleicht ein fröhliches: „Ha, blau!“ Ob dieses Farbkriterium sich auf die Wetterlage, auf den Alkoholisierungsgrad von Karl Vocelka oder auf die Parteizugehörigkeit von Lothar Höbelt bezog, war dabei nicht ganz eindeutig zu sagen, aber in diesem durchaus angenehmen Stil verging ein Exkursionstag nach dem anderen, es wurde ein Reihe historischer Stätten besucht, und jeden Tag hielten bei passender Gelegenheit ein paar Teilnehmer Referate über alle möglichen selbstgewählten Themen, die irgendwie im Zusammenhang mit der Exkursionsumgebung standen.

Am letzten Abend vor der Heimreise saßen dann alle Teilnehmer noch einmal gemütlich in der Hotelhalle zusammen, Wolfram, um Anekdoten nie verlegen, thronte bei leicht gedämpftem Licht im Zentrum der Versammlung in einem großen Fauteuil und brachte die eine oder andere Schnurre aus seiner Zeit am Institut. So erzählte er etwa die Geschichte, wie er die Direktion des Instituts von seinem Vorgänger Prof. Fichtenau übernommen hatte, wobei ihn Fichtenau bei dieser Gelegenheit auch in die Geheimnisse des großen Direktionsschreibtisches einweihte: „Schau her, do auf deina Seitn ist a brada Schlitz, do kaunnst in Ruhe hinterm Schreibtisch die Mutzenbocherin lesn, und waunn wer Fremda einakummt, daunn schmeisst as gschwind do eini!“ Und dann, spätabends, Wolfram war ja damals auch schon nicht mehr allzu weit von seiner eigenen Pensionierung entfernt, beschloss er sinnierend die fast schon ins Unwirkliche entrückte Stunde: „Fichtenau und Wolfram ... des woa eine Dynastie!