7.1 Danke für den Anruf

Je mehr ich mich in die Materie vertiefte, desto klarer wurde mir, wer in etwa der Adressat meiner Mitteilungen sein musste, was er theoretisch wissen konnte und was ich ihm daher zur Erhöhung seines Sachverständnisses zu vermitteln hatte. So etwas wie ein quantitatives Limit für meine Briefe verwarf ich jetzt völlig – ich war fest entschlossen, alle relevant erscheinenden Fakten in das sich entwickelnde Konvolut meiner Schreiben hineinzupacken, so detailgetreu und so anschaulich wie möglich. Es folgten somit fünf weitere Briefe vom 22. April 2006 (19 Seiten), 27. Mai 2006 (17 Seiten), 10. Juni 2006 (16 Seiten), 24. Juni 2006 (13 Seiten) und 8. Juli 2006 (11 Seiten), wobei ich mich bemühte, den Stoff in appetitlichen und einigermaßen verdaulichen Portionen darzubieten.

Nach dem letzten und bis dahin insgesamt achten Schreiben war ich wieder einmal der festen Überzeugung, jetzt endgültig alles gesagt zu haben. Ich packte daher sicherheitshalber noch die Empfehlung mit hinein: „Lossts eich von denan net vaorschen!“ und ließ es ansonsten mit der mehr rhetorisch gemeinten als ernsthaft noch erwogenen Formel enden: Sollte jetzt, später oder zu irgendeinem Zeitpunkt für die Aufklärung welcher Frage in diesem großen Zusammenhang immer meine persönliche Mitwirkung hilfreich, erforderlich oder sonst erwünscht sein, sei es zur Bereitstellung konkreter Informationen, zur Gegenprüfung anderswo erhaltener Angaben oder auch für persönliche Gegenüberstellungen mit jeglichen in meinen inzwischen acht Schreiben namentlich genannten, wörtlich oder sinngemäß zitierten Personen, so stehe ich jederzeit, in vollem Umfang und mit dem größten Vergnügen dafür zur Verfügung!

Es waren kaum vier oder fünf Tage vergangen, da kam ich abends heim, und wie es manchmal eben so ist, blinkte lustig mein Anrufbeantworter. Ich ließ das Band ablaufen, und eine weibliche Stimme stellte sich höflich als Frau Hönig vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur vor – sie habe mich leider nicht persönlich erreicht, es ginge aber um mein bekanntes Anliegen, die Stipendiengelder vom IÖG, und ich solle sie doch bitte unter der und der Nummer zurückrufen. An diesem Abend war es längst zu spät dafür, also wählte ich am nächsten Vormittag besagte Telefonnummer, kam auch sofort und direkt zu Frau Amtsdirektor Hönig durch und stellte mich als Dr. Zehetbauer vor, dem sie auf den Beantworter gesprochen hatte.

Mit freundlicher Stimme bedankte Frau Hönig sich für meine vielen schönen Schreiben, wies mich aber auf die große Schwierigkeit hin, dass der damalige Direktor Wolfram doch längst in Pension sei, man könne also höchstens den neuen Direktor Brunner irgendwie damit befassen, das aber auch nicht gleich morgen oder übermorgen, denn das Ministerium wäre noch mindestens den ganzen Juli mit einem Haufen Arbeit befasst, aber vor September würde man noch Zeit für mich finden, und ich dürfe am 23. August 2006 im Ministerium vorsprechen. Ministerialrat Popelak selbst würde sich Zeit für mich nehmen, außerdem wäre ein Mitarbeiter der Rechtsabteilung mit von der Partie, und sie selbst würde ebenfalls dabei sein. Institutsdirektor Prof. Brunner würde man selbstverständlich auch dazu einladen, man hätte ihm ohnehin stets meine sämtlichen Schreiben zur persönlichen Stellungnahme weitergeleitet, und das wäre doch jetzt eine tolle Gelegenheit, die ganze Sache einmal gründlich auszureden!