7.2 Eine nette Einladung

Mir war im ersten Moment zwar nicht ganz klar, was genau man in diesem Zusammenhang „ausreden“ sollte, aber ich würde es mir unter Garantie nicht nehmen lassen, fünf Jahre nach Kursende das IÖG bei einem offiziellen Termin mit dem Direktor dorthin zu rücken, wo es seinem Charakter nach zu liegen kam – klarerweise sagte ich zu. Nachdem ich mich von Frau Amtsdirektor Hönig dankend verabschiedet und den Hörer wieder aufgelegt hatte, blieb ich noch eine kurze Minute nachdenklich sitzen: Popelak, Popelak, ... – den Namen hatte ich schon einmal gehört!

Einige Tage danach erhielt ich von Frau Hönig zu dem vereinbarten Termin auch noch eine schriftliche Einladung per Post, die ich mit einer kurzen E-Mail an die Bearbeiterin bestätigte. Zunächst ging ich auch tatsächlich davon aus, dass es am 23. August 2006 zu einer mehr oder weniger sachbezogenen Konfrontation mit dem Institutsdirektor kommen würde – unabhängig davon, ob er alle meine acht Schreiben erhalten hatte oder nicht. Oder sollte ich annehmen, dass ministerielle Beamte mich anlügen würden?

Allerdings war jetzt gerade erst Mitte Juli, schönster Hochsommer, und bis zum vereinbarten Termin noch ein guter Monat Zeit. Ich bereitete dafür ein paar Listen und kleine Grafiken zur anschaulichen Darstellung von Stipendienflüssen vor, ansonsten war nicht viel zu tun. Aber hatte ich mich zuvor schon leicht gewundert, woher Frau Amtsdirektor Hönig, die mich angerufen hatte, so selbstverständlich meine geheime Telefonnummer kannte, die ich ja mit meinen Schreiben keineswegs mitgeschickt hatte, so erlebte ich in der zweiten Julihälfte die nächste einschlägige Überraschung.

Wieder gab es abends einen Anruf, diesmal war ich allerdings zu Hause und hob ab. Eine mir unbekannte Dame, die weder ihren Namen nannte noch auf die konkrete Frage damit herausrücken wollte, woher sie meine Nummer wusste, fragte mich treuherzig, ob ich auch tatsächlich ich selbst in eigener Person und außerdem derjenige sei, den sie auf dem Friedensseminar in Schlaining kennengelernt hätte – nachdem ich ihr nachdrücklich versichert hatte, dass es hier außer mir keinen zweiten gleichen Namens gebe, war sie endlich zufrieden. Was Ministerialräte sich alles ausdenken, wenn sie James Bond spielen!

 

Ministerialrat Dr. Johann Popelak