7.4 Stipendia mutantur
Mit diesem neuen Wissensstand verließ ich daher an diesem Tag das Ministerium, und da es ohnehin schon Ende August war, erschien es naheliegend, zunächst den Beginn des Wintersemesters abzuwarten, denn für Oktober war ja die Vergabe der Leistungsstipendien angekündigt worden. Tatsächlich spiegelte sich die Stipendienvergabe ab 19. Oktober 2006 erneut auf der Website des IÖG wider, doch wurde letztendlich die Vergabe nicht von sechs, sondern nur von zwei Stipendien bekannt gegeben. Ob und wie dieser in der Form neue Umstand möglicherweise von seiten des Ministeriums gegenüber dem IÖG argumentiert worden war, darüber konnte ich klarerweise nur dürftig mutmaßen.
Da ich aber zumindest die handelnden Personen inzwischen näher kannte und die Sachlage auf ministerieller Seite für mich fortan jedenfalls eindeutig mit dem Namen von Ministerialrat Popelak verbunden war, arbeitete ich ab Jahresende 2006 an einem weiteren Schreiben (30 Seiten), in dem ich die Abläufe des 62. Institutskurses noch detaillierter darstellte und weitere Informationen brachte, die für einen historischen Laien zur Beurteilung der Materie erforderlich sind. Auf dieses Schreiben, das ich am 31. März 2007 fertigstellte, erhielt ich erstmals eine mehrzeilige Rückantwort von Ministerialrat Popelak selbst, der wieder die Geschichte mit der Weiterleitung an den Institutsdirektor ins Spiel brachte. Popelak fühlte sich vermutlich von mir irgendwie auf die Füße getreten, denn der kurze Brief war datiert mit 11. Mai 2007, einem Freitag, und er wollte damit wohl zum Ausdruck bringen: Die Sache ist mir derart unwichtig, dass ich mir mit der Antwort gut sechs Wochen Zeit lasse und dann außerdem noch locker bis zum letzten Tag der Woche warte!
Da ich mich dem selbst keineswegs verschließen wollte, schickte ich Popelak am 23. August 2007, also am Jahrestag der Konferenz im Ministerium, ein weiteres Schreiben (22 Seiten), in dem ich abschließend ankündigte, jenen Teil meiner schriftlichen Ausführungen vom Juli 2006, der meine vom Prüfer manipulierte Staatsprüfung aus Kunstgeschichte betrifft, demselben nun zur Kenntnis zu bringen, damit er ebenfalls Bescheid wisse. Einige Tage später führte ich dies in der Weise aus, dass ich die betreffende Briefstelle, die die genaue Schilderung dieser Vorgänge enthält, per E-Mail an den Prüfer, Prof. Artur Rosenauer, sandte, in Kopie aber gleichzeitig auch an das IÖG (und in blinder Kopie an Popelak) ergehen ließ.
Nur wenige Wochen später veränderte sich in der Folge wiederum die Website des IÖG, und ab 22. Oktober 2007 brachte das Institut seine rückhaltlose Bereitschaft zu einer in wirklich jeder Hinsicht korrekten Vergabe von Forschungsstipendien zum Ausdruck – es sah ganz so aus, als wüsste man am IÖG nun, worin die Vorgänge des vergangenen Jahres begründet lagen. Eine zweite äußere Veränderung lag darin, dass ab Jänner 2008 die Vergabe von nun drei statt zwei Stipendien angekündigt wurde. An Ministerialrat Popelak ergingen zur Sache noch insgesamt drei weitere Schreiben, nämlich am 13. Oktober 2007 (22 Seiten), am 24. November 2007 (20 Seiten) und am 5. April 2008 (25 Seiten), wobei ich Popelak jeweils explizit ersuchte, sie doch bitte ebenfalls an den IÖG-Direktor weiterzuleiten.