7.5 Es ist alles gesagt
Da ich die übrigen Angehörigen des IÖG, die letztlich in allen relevanten Prüfungsfragen Bescheid wissen, nicht so ganz uninformiert lassen wollte, leitete ich im Frühjahr 2008 jene E-Mail, die zunächst nur an Kunstgeschichte-Rosenauer und das Sekretariat des IÖG ergangen war, nacheinander an sämtliche betroffenen Lehrenden des 62. Institutskurses weiter, wobei stets eine blinde Kopie auch an Ministerialrat Popelak erging. Nachdem auf diese Weise alle Adressaten erreicht worden sein sollten, leitete ich im Juli 2008 jene E-Mail, mit der ich zwei Jahre zuvor meine Teilnahme am Gespräch im Ministerium zugesagt hatte, an sämtliche betroffenen IÖG-Angehörigen sowie in Kopie auch an Ministerialrat Popelak weiter, wobei ich den Institutsdirektor freimütig als „Zirkusdirektor“ titulierte und ihn aufforderte, das Gespräch vom 23. August 2006, welches er angeblich in Klosterneuburg versäumt hatte, doch am 22. August 2008 im Büro von Ministerialrat Popelak nachzuholen, denn schließlich seien doch alle meine Schreiben an ihn weitergeleitet worden und daher müsse er doch Bescheid wissen und in der Lage sein, zu meinen Angaben konkret Stellung zu nehmen.
Wie wohl auch nicht viel anders zu erwarten war, kam zwar kein weiteres Treffen zustande, allerdings veränderte sich die Website des IÖG bis zum Herbst 2008 erneut und zwar in der Weise, dass eine weitere Stipendienvergabe eher unscharf in den Raum gestellt, aber jener Text, der die detailliert geschilderten Voraussetzungen der Vergabe betraf, jetzt plötzlich komplett getilgt und durch die Paragraphen des Curriculums des Magisterstudiums ersetzt wurde.
An diesem äußeren Erscheinungsbild änderte sich zunächst nicht allzu viel, während ich selbst bis Anfang 2009 sogar ein vierzehntes Schreiben für Ministerialrat Popelak theoretisch beisammen gehabt hätte – man sollte gar nicht glauben, was Geschichte, Hilfswissenschaften und Archivwesen so alles hergeben. Aber hatte ich bei den dreizehn Schreiben davor stilistisch wie inhaltlich eigentlich nie eine Wahl gehabt und war von meinen Gedanken geradezu getrieben gewesen, so kam ich mit diesem vierzehnten Schreiben dann aber durch Monate hindurch nicht und nicht zum Ende: Da und dort klaffte noch eine Lücke, der Text erschien mir insgesamt merkwürdig unfertig, und so oft ich auch Absätze umstellte und einzelne Ausdrücke verbesserte, so hatte ich trotzdem keine Lust das Ganze wegzuschicken – es schien, als wäre ich an die Grenze dessen gekommen, was im Kern zur Sache gesagt werden kann.
Ministerialrat Popelak würde somit also kein weiteres Brieflein mehr von mir bekommen, aber da ich hohe Beamte gerne beim Wort nehme, wiederholte ich kurzerhand am 17. Mai 2009 die Aufforderung vom Vorjahr und schlug dem Institutsdirektor im bekannten Stil per E-Mail vor, das Gespräch bei Popelak doch am 21. August 2009 nachzuholen.
Da Brunner mir aber offenbar wieder nicht die Ehre geben wollte, ich außerdem mit der Möglichkeit rechnen musste, dass er an diesem Tag wieder einmal in Klosterneuburg weilen könnte, und ich letztlich auch nicht ganz sicher sein konnte, ob er alle meine Schreiben, die Ministerialrat Popelak so fürsorglich an ihn weitergeleitet hatte, inzwischen überhaupt schon komplett durchgelesen hatte, entschloss ich mich dazu, ihm und auch dem Rest der Welt die Sache zu erleichtern: Ich richtete daher zum gesamten Thema eine eigene Website ein, in der alle wesentlichen Belange übersichtlich dargestellt werden sollten. Die dreizehn Schreiben einfach unverändert hineinzustellen, erwies sich dabei nicht als praktikabel, aber da der gesamte Sachverhalt bereits auf weit über 200 Seiten ausformuliert war, brauchte ich nur noch eine neue und systematisch durchgezogene Struktur zu entwickeln. Ich machte mich also daran, die relevanten Inhalte entsprechend umzugliedern und auch für einen breiteren Adressatenkreis lesbar zu machen – Ende Juni 2009 gab ich die Seiten frei.