Wechsel in der Direktion
Im Herbst 2009 endete die Funktionsperiode von Karl Brunner als Direktor des IÖG. Hatte sein Vorgänger Herwig Wolfram sogar bis zum 68. Lebensjahr auf diesem Posten ausgeharrt, so ging Brunner mit 65 in den Ruhestand.
Die Neuausschreibung der Funktion der Leitung des IÖG erfolgte mit 10. Juli 2009, allerdings sollte es noch ein gutes halbes Jahr dauern, bis ein neuer Direktor die Geschäfte übernehmen würde. Nachdem Karl Brunner mit 30. September 2009 den altehrwürdigen Direktionsschreibtisch geräumt hatte, wurden die laufenden Geschäfte zunächst das gesamte Wintersemester hindurch von seinem Stellvertreter Andreas Schwarcz weitergeführt – man hat sich offenbar auf seiten des Ministeriums mit der Entscheidung Zeit gelassen.
Ende Jänner 2010 wurde schließlich bekanntgegeben, dass mit Wirkung vom 1. Februar 2010 Thomas Winkelbauer die Direktion des IÖG übernehmen würde. Winkelbauer, einst Assistent von Prof. Wolfgang Häusler, kann somit nun auf eine beachtliche Reihe von illustren Vorgängern zurückblicken:
- Theodor von Sickel (1869-1891)
- Engelbert von Mühlbacher (1896-1903)
- Emil von Ottenthal (1903-1926)
- Oswald Redlich (1926-1929)
- Hans Hirsch (1929-1940)
- Otto Brunner (1940-1945)
- Leo Santifaller (1945-1962)
- Heinrich Fichtenau (1962-1983)
- Herwig Wolfram (1983-2002)
- Karl Brunner (2002-2009)
Selbst wenn man die „Vorgeschichte“ des IÖG von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Zwischenkriegszeit hinein gänzlich außer Acht lässt und sich in der Betrachtung allein auf die Nachkriegsdirektoren, beginnend mit der Direktionsperiode von Leo Santifaller (17 Jahre), daran anschließend die „Dynastie“ Heinrich Fichtenau (21 Jahre), Herwig Wolfram (19 Jahre) und Karl Brunner (7 Jahre), zusammen also 64 Jahre IÖG-Direktion, beschränkt, so lässt sich unschwer ermessen, was allein in diesem mehr als halben Jahrhundert durch das IÖG und sein System von Pseudoprüfungen im österreichischen Archivwesen und seinen verwandten Bereichen angerichtet worden ist: Ein halbes Jahrhundert großer Sprüche und vorgegaukelter Wichtigkeit, ein halbes Jahrhundert hinausgegraulter Studienanfänger, ein halbes Jahrhundert gezinkter und getürkter Prüfungen, ein halbes Jahrhundert augenzwinkernder Geschenkeverteilung – ein halbes Jahrhundert eines unter dem Deckmantel eines angeblichen „Ausbildungskurses“ daherkommenden Klientel- und Patronagesystems, welches heute den österreichischen historischen Wissenschaftsbetrieb lautlos durchzieht wie ein feingewebtes, unsichtbares Netz.